Artikel: Ein Besuch im Technikmuseum: Meine Reise durch Berlins historische Goldschmiedewerkstatt

Ein Besuch im Technikmuseum: Meine Reise durch Berlins historische Goldschmiedewerkstatt
Inhalt |
1. Ein Blick hinter die Kulissen der Schmuckherstellung in Berlin |
2. Sandguss und Guillochieren: Faszination für alte Techniken |
3. Warum diese Techniken so faszinierend sind |
4. Gemeinschaft und Inspiration |
5. Was ich gelernt habe |
6. Ein Ort, der inspiriert: Artis Factum |

Letzte Woche war ich in Berlin im Technikmuseum und konnte kaum erwarten, eine echte, historische Goldschmiedewerkstatt zu betreten. Dort konnte man den gesamten originalen Herstellungsprozess von Schmuck sehen – genau so, wie er vor Hunderten von Jahren ablief, bevor schnellere und technologisch fortschrittlichere Maschinen die Arbeit übernahmen. Ich hatte sogar die Chance, zum ersten Mal Sandguss auszuprobieren und die über hundert Jahre alte Technik des Guillochierens zu erlernen. Für mich war das unglaublich aufregend!
Bei meiner Suche nach weiteren Goldschmiedeschulen in Deutschland stieß ich auf die Organisation Artis Factum – entdeckt habe ich sie über Social Media. Kurzerhand habe ich ihnen eine Nachricht geschickt und gefragt, ob sie Workshops anbieten. Und so kam ich dort hin.
1. Ein Blick hinter die Kulissen der Schmuckherstellung
Das war mein erster richtiger Einblick in die gesamte Produktion von Schmuck. Zwar hatte ich schon eine grobe Vorstellung davon, aber vor Ort wurde es mir noch klarer: Jeder einzelne Schritt ist ein eigener Beruf für sich. Es gibt den Steinschleifer, der sich ausschließlich darauf konzentriert, Steine zu setzen, oder den Guilloche-Meister, der sein ganzes Berufsleben damit verbringt, mit dieser faszinierenden alten Maschine Muster in Schachteln, Uhren oder Zigarettenetuis zu gravieren.


Als ich mit dem Schmuckmachen begann, fühlte ich mich von den vielen Möglichkeiten regelrecht überfordert – es gab so viele Wege, die mich in tausend Richtungen zogen. Mit der Zeit, je mehr ich über die Herstellung und das Handwerk lernte, erkannte ich, dass diese Suche wohl niemals enden würde. Die meisten Menschen scheinen sich auf ein oder zwei Techniken zu spezialisieren, tauchen tief darin ein und beginnen, damit zu experimentieren. Das Ziel ist, darin richtig gut zu werden und – auch wenn es extrem schwierig ist – die Technik vielleicht sogar zu revolutionieren oder etwas Neues zu entdecken. Dafür braucht es jedoch eine riesige Leidenschaft und tägliches Engagement.

2. Sandguss und Guillochieren: Faszination für alte Techniken
Im Workshop war ich total begeistert von all den Werkzeugen, besonders von den Stempeln, die sie dort hatten. Es war auch unglaublich spannend, endlich selbst zu gießen. Bisher hatte ich meine Wachsmodelle immer an einen Gießer geschickt, der sie auf einen „Baum“ setzte und mehrere Stücke auf einmal goss. Beim Sandguss hingegen dauert es viel länger, weil man nur ein Stück auf einmal gießen kann – und das auch nur bei etwas robusteren Teilen, da der Sand richtig festgehämmert werden muss, damit er stabil bleibt.


Ich finde, Sandguss hat etwas von analoger Fotografie. Es ist ziemlich langsam, Stück für Stück, und genau wie bei der Filmfotografie liegt darin auch sein Charme. Man nimmt sich wirklich Zeit für jedes einzelne Teil und hat die volle Kontrolle über den gesamten Prozess – vom Wachsmodel entwerfen über das Gießen bis hin zur Fertigstellung. Das macht den Schmuck sehr besonders und gibt einem die Möglichkeit, sicherzustellen, dass die Qualität den eigenen Ansprüchen genügt.



Das Guillochieren (was ich anfangs nicht mal aussprechen konnte) war eine richtig spaßige Erfahrung. Ehrlich gesagt taten mir nach dem ersten Tag mein rechter Daumen und der linke Arm ziemlich weh, weil man den Stichel fest ins Metall drücken muss, damit er tief genug schneidet, und gleichzeitig das Rad kurbeln muss, damit der Stichel sich bewegt und die Platte graviert. Dieses Rad war so schwer zu drehen! Um ein Muster zu erstellen, muss man verschiedene Hebel bedienen, eine bestimmte Abfolge einhalten und das Ganze konstant durchziehen, um ein gleichmäßiges Muster zu bekommen. Ich gebe zu, manchmal war ich abgelenkt, habe den falschen Hebel benutzt und plötzlich einen Fehler ins Muster graviert – das war echt ärgerlich. Ich kann mir also kaum vorstellen, wie sich ein Guillocheur fühlt, wenn er bei einem Auftrag mit Edelmetallen einen Fehler macht. Das lässt sich nämlich nicht rückgängig machen.



3. Warum diese Techniken so faszinierend sind
Ich glaube, genau das ist es, warum mich diese Techniken so begeistern. Es braucht unglaublich viel Zeit und Hingabe, sie zu meistern. Es ist ein langsamer Prozess, und man muss es wirklich lieben, um das 40 Jahre lang zu machen. Dasselbe gilt für Sandguss oder das Gießen allgemein – es gibt so viele Dinge zu beachten und zu beherrschen. Ich bin nicht sicher, ob das mein Lebensweg wäre, aber ich bin so froh, es ausprobiert zu haben.
4. Gemeinschaft und Inspiration

Der schönste Teil war für mich, von Menschen umgeben zu sein, die das Schmuckmachen lieben, und von ihren Geschichten und Erfahrungen zu lernen. Eine kam aus München, andere hatten in London studiert, und eine andere kam sogar aus Amerika. Es war spannend zu sehen, wie sie ihren Lebensunterhalt verdienen und was ihnen wichtig ist. Nach dem Austausch mit all den Schmuckschaffenden, klingt der Begriff „Schmuckmachen“ für mich mittlerweile wirklich sehr weit gefasst. Man kann sich nämlich nur auf Reparaturen spezialisieren, ein eigenes Unternehmen gründen und Schmuck verkaufen (wie ich) oder den künstlerischen Weg einschlagen und an Wettbewerben teilnehmen. Viele Schmuckschaffende wählen diesen Weg. Für mich persönlich ist das ziemlich beängstigend, und ich bin wohl zu ängstlich, um mich freiwillig dieser Achterbahn auszusetzen und meine Arbeit von anderen beurteilen zu lassen. Und selbst wenn man nicht gewinnt, kann man natürlich auch von Galerien oder Geschäftsinhabern entdeckt werden, die die eigene Arbeit ausstellen möchten. Das ist einer der Künstlerin passiert und dazu hatte Sie sogar noch Kiloweise Bernstein gewonnen. Das ist wirklich toll, wenn so etwas passiert.
5. Was ich gelernt habe
Dieser Besuch war definitiv ein Augenöffner und hat mir erneut bestätigt, was ich schon wusste: Es braucht so viel Zeit, dieses Handwerk zu verstehen. Schmuckmachen erfordert viele Jahre, und irgendwann ist es sinnvoll, sich auf ein oder zwei Techniken zu spezialisieren, um wirklich tief einzutauchen. Für mich habe ich dabei erkannt, dass mir das Entwerfen von Schmuck viel mehr Spaß macht als das Herstellen. Das hat mich selbst überrascht. Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich alle Techniken liebe und mich nicht auf eine festlegen kann. Beim Entwerfen und Zeichnen von Schmuck steht mir jedoch „quasi“ alles offen (auch wenn das genau genommen nicht ganz stimmt), und ich kann jede Technik einbeziehen, die mir gefällt, und von Experten lernen, die meine Visionen umsetzen.
Wie ich schon sagte: Es braucht ein ganzes Team, um ein beeindruckendes, komplexes Stück zu schaffen. Zumindest hatte ich nach diesem Ausflug diesen Eindruck gewonnen. Da ich nicht den klassischen Weg gegangen bin, muss ich dieses große Puzzle der Schmuckherstellung quasi selbst zusammensetzen – Stück für Stück. Das dauert zwar, aber ich freue mich jeden Tag aufs Neue, wenn ich etwas Neues herausfinde.
6. Ein Ort, der inspiriert

Das war eine wirklich coole Erfahrung, und ich freue mich schon darauf, wieder zum Artis Factum zurückzukehren. Sie setzen sich dafür ein, diese alten Maschinen am Leben zu halten und Experimente zu fördern. Wenn du selbst Goldschmied/Schmuckdesigner bist oder in diesem Bereich studierst, lohnt sich ein Besuch absolut. Du triffst dort Gleichgesinnte, kannst Erfahrungen austauschen und von anderen lernen. Ich bin dankbar und froh, dass ich dort war, aber auch ein bisschen traurig, dass ich bis jetzt nur drei Tage dort hatte. Selbst wenn du kein Schmuckmacher bist, solltest du das Technikmuseum und die Werkstatt besuchen – es ist unglaublich. Ich hatte wenig Zeit, alles zu sehen, aber für alle Technikbegeisterten da draußen ist es definitiv ein Highlight!
Ich hoffe, euch hat dieser Beitrag gefallen! Wie immer könnt ihr mir bei Fragen gerne schreiben. Bis zum nächsten Mal!
Hinterlasse einen Kommentar
Diese Website ist durch hCaptcha geschützt und es gelten die allgemeinen Geschäftsbedingungen und Datenschutzbestimmungen von hCaptcha.